Bei schönstem Hockeywetter traf der Tabellenzweite in der Mitteldeutschen Oberliga, Motor Meerane, auf den Tabellenvierten, ESV Dresden. Auf dem dürftig bewässerten Grün sahen die wenigen Zuseher eine enge, mit hohem Körpereinsatz geführte Partie von beiden Mannschaften. Trotz der klaren Ansage des Trainergespanns, den Gegner in den Anfangsminuten mit aggressiven Pressing unter Druck zu setzen und so Fehler im Aufbauspiel zu provozieren, kamen die Spielerinnen aus Meerane besser in die Partie. Folglich wurde die neu formierte Viererkette ein ums andere Mal auf den Prüfstein gestellt und konnte sich glücklich schätzen, dass Aenne wieder einen ausgezeichneten Tag erwischte. Sie konnte die ersten Torchancen von Meerane allesamt verhindern und bewahrte die Elbstädter vor einem frühen Rückstand. In der 8. Spielminute spielte jedoch eine Dresdner Innenverteidigerin ohne jegliche Not das Objekt der Begierde direkt der am Kreis stehenden Stürmerin von Meerane ins Vorhandbrett. Mit der Kugel am Brett zog die Stürmerin in den Schusskreis und nagelte das Spielgerät in den Giebel. Was für ein Geschenk!
Nach der zu diesem Zeitpunkt verdienten Führung wachten die Elbstädter endlich aus ihrem Schönheitsschlaf auf und fingen an, körperlich gegen zu halten. Mehr Laufbereitschaft, bessere Passstafetten, Umstellung des Spielsystems und die nötige Aggressivität in den Zweikämpfen brachte den ESV´lerinnen in den folgenden Spielminuten höhere Spielanteile ein. Aus dieser Überlegenheit heraus erspielten sie sich viel mehr Tormöglichkeiten. Schlussendlich konnte schon wenige Minuten nach dem bitteren Rückstand nach schönem Zuspiel in den Strafraum die Goalgetterin Antje mit einem scharfen, präzisen Schuss den 1:1 Ausgleich erzielen. Mit diesem Ergebnis ging es in die Halbzeitpause. Bis dato lief alles nicht so, wie man sich das vorgestellt hatte. Meerane zeigte sich als der erwartet bissige und um jeden Millimeter des Spielfeldes kämpfende Gegner. Insbesondere in der Anfangsphase wirkte das Spiel der Gäste noch sehr schläfrig, langsam und unsicher. Diesen Missstand annehmend, versuchten die Trainer mit einigen motivierenden Worten den Druck von der Mannschaft zu nehmen und die Konzentration ihrer Spielerinnen zu verbessern.
Nach kurzer Verschnaufpause pfiffen die beiden Unparteiischen die Begegnung pünktlich wieder an. Beide Schiedsrichter boten eine solide Partie, lediglich der nicht geahndete 7-Meter für die Dresdener blieb als unschöner Moment in Erinnerung haften. Die Spielerinnen aus Dresden knüpften nahtlos an die Schlussphase der ersten Halbzeit an und kamen zu weiteren gefährlich Aktionen im Strafraum. Eine gute Kombination konnte die gegnerische Innenverteidigerin nur noch mit einem Stockfoul im Strafraum unterbinden, folgerichtig entschied der Referee auf Strafecke. Hierzu versammelte sich das Ecken-Kompetenzteam und besprach die Herangehensweise. Heraus kam die Entscheidung Variante 1-100 „Doppelpass“. Die Eckenhereingabe verrutschte jedoch und wurde so nicht von Vroni auf Sophie, sondern von Antje, der Dresdner Stopperin, auf Sophie abgelegt, die ihrerseits den Ball laut Variante auf Vroni passen müsste. Glücklicherweise tat sie das nicht und nutze ihren Freiraum um den Ball aufs Tor zu bringen. Ohne irgendeine Abwehrreaktion der Torhüterin ging der Ball aus 6 Metern Entfernung unhaltbar ins linke untere Eck des Tores rein.
Mit dem knappen 2:1 im Rücken sollte doch jetzt alles noch besser laufen. Mit Nichten, vollkommen unverständlich schaltete man wieder einen Gang, wenn nicht sogar zwei Gänge zurück – man führt doch vollkommen souverän?! Gleichzeitig erhöhte die gegnerische Mannschaft noch mal den Pulsschlag und brachte ihrerseits mehr Tempo in das Aufeinandertreffen. Die logische Konsequenz, mehr Ballbesitz, höhere Zweikampfquote, viele herausgespielte Torraumszenen für Meerane. Obendrein hatte die Gastmannschaft wieder Lust Geschenke zu verteilen. Es wurde beim Self-Pass des Gegners im eigenen Viertel nicht der regelkonforme Abstand eingehalten – Ecke. In der nächsten Situation wurde beim Klärungsversuch im Strafraum vollkommen unnötig nicht der Ball weg geschlagen, sondern der Schläger der Gegenspielerin, folgerichtig erneut Strafecke. Während die erste geschenkte Ecke noch abgewendet werden konnte, folgte auf die zweite Ecke ein völlig zu Recht zugesprochener Strafsiebenmeter für Meerane. Die jüngste Spielerin im Team von Meerane nahm sich der Verantwortung an und schlenzte den Ball über die zu Boden gehende Aenne. Damit war Meerane wieder im Spiel angekommen und die Dresdner Führung egalisiert – 2:2.
In Analogie zum 1:0 Rückstand wurde Dresden postwendend wieder agiler und präsenter in der Partie. Jetzt zeigte man sogar richtig gutes Hockey. Schöne Kombinationen und Überzahlspiel auf der rechten Außenbahn brachte die Meeraner Hintermannschaft ein ums andere Mal in Verlegenheit. 10 Minuten vor Schluss drang Jarka über die rechte Außenspur in den Strafraum eine und versuchte den Ball am Torwart vorbei auf die zum Einnetzen bereitstehende Sophie zu spitzeln. In höchster Not versuchte die Verteidigerin diesen Pass zu unterbinden, bei ihrem Klärungsversuch prallte der Ball von ihrem Schläger ins eigene Gehäuse. Die erneute Führung (3:2). Das sollte es doch jetzt gewesen sein, schließlich waren es nur noch 7 Minuten Spielzeit auf der Uhr. Wer jetzt dachte, die Dresdnerinnen agieren clever und konzentriert, wurde erneut überrascht. Es zog sich wie ein roter Faden durch das ganze Spiel. Dresden sprang wie ein Gummiball zwischen zwei Welten hin und her. Zwischen super guten Kombinationen, hoher Ballsicherheit hin zu eklatanten Fehlpässen, Stoppfehlern, Nachsichtigkeiten im Umschaltspiel und Vernachlässigung der Manndeckung. Somit wurden die letzten Minuten eine reine Tortur der Nerven. Letztlich gelang es Meerane immer wieder für brenzlige Situationen im Strafraum zu sorgen. Einer dieser hitzigen Strafraumszenen konnte die an diesem Tag immer am Rande des Strafenkatalogs agierende Stürmerin mit der Nummer 8 für sich nutzen und ihre Mannschaft mit einem schönen Rückhandheber auf 3:3 verkürzend heranbringen. Zwei Minuten, geht noch was? Dresden legte alle Reserven in die Waagschale und versuchte den Weg nach vorne anzugehen, kam jedoch nicht mehr Ziel führend in den Schusskreis. Abpfiff, Schluss, aus, alles vorbei. Es ist amtlich: man trennt sich 3 zu 3 in einem sehr hart umkämpften Spiel und bleibt damit weiterhin ungeschlagen in der Rückrunde.
Insgesamt ist die Mannschaft auf einen guten Weg, muss aber in ihrer Spielweise noch die nötige Konstanz gewinnen. Hier gilt es in nächster Zeit gezielt hinzuarbeiten. Am 30.06. steht das letzte Punktspiel in der Mitteldeutschen Oberliga gegen den HCLG an. In Leipzig haben die Elbstädterinnen die Chance die gute Rückrundensaison mit einem Sieg versöhnlich abschließen. Auch wenn hinsichtlich der Platzierung weder nach unten noch nach oben eine Veränderung herbeigeführt werden kann, wäre ein Sieg ein würdiger Abschluss für den hohen Einsatz in der Rückrunde. Man darf nicht vergessen, dass die Dresdnerinnen in die Rückrunde mit null Punkten gestartet sind!
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